Retrofit mit Augenmaß

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Retrofit mit Augenmaß

Wenn in der Industrie über Nachhaltigkeit gesprochen wird, geht es häufig um neue Technologien oder komplette Neuanlagen. Dabei liegt enormes Potenzial oft bereits im Bestand. Genau hier setzt Retrofit an: Bestehende Anlagen werden modernisiert, technisch optimiert und energetisch verbessert – ressourcenschonend und meist deutlich günstiger als eine Neuanschaffung. Für Venjakob Maschinenbau aus Rheda-Wiedenbrück ein alltägliches Geschäft.

Gerade in der Lackiertechnik gewinnt das Thema an Bedeutung. Lackier- und Beschichtungsanlagen zählen zu den energieintensivsten Prozessen in der Industrie. Vor allem Trocknungstechnik, Luftführung und Abluftreinigung verursachen hohe Energieverbräuche. Große Luftmengen müssen erwärmt, bewegt, gefiltert und abgeführt werden. Gleichzeitig steigen Energiekosten und regulatorische Anforderungen.

„Die Themen und Motive, mit denen Kunden an uns herantreten, sind unterschiedlich“, berichtet Sören Steegmann, Leiter Service Vertrieb bei Venjakob Maschinenbau. „Technische Anpassungen für eine wirtschaftlichere Produktion gehören ebenso dazu wie Modernisierungen oder Umbaumaßnahmen zur Energieeinsparung.“

Der Vorteil gegenüber einer Neuanlage: Produktionsstillstände bleiben meist über-schaubar und die Investitionen deutlich geringer. „Ob ich zwischen 100.000 und 600.000 Euro investiere oder zwei Millionen für eine Neuanlage – das ist ein großer Unterschied“, sagt Steegmann. Retrofit-Projekte amortisierten sich häufig bereits innerhalb von drei bis fünf Jahren.

Wärmerückgewinnung spart Energie

Ein aktuelles Beispiel ist die Nachrüstung von Wärmetauschern an einer bestehenden Trocknerlinie. Ziel des Kunden war es, Energiekosten zu senken und Nachhaltigkeitsvorgaben zu erfüllen.
Die Herausforderung: In Trocknungsprozessen wird kontinuierlich warme Abluft abgesaugt, während gleichzeitig kalte Frischluft von außen erneut aufgeheizt werden muss. Besonders im Winter entstehen dadurch erhebliche Energieverluste.

Die Lösung bestand darin, die vorhandene Abluft energetisch zu nutzen. Auf dem Dach installierte Wärmetauscher führen einen Teil der Wärmeenergie zurück in den Prozess. Venjakob integrierte die Technik vollständig in die bestehende Anlagensteuerung inklusive Sensorik, Visualisierung und Prozessüberwachung.

„Dann muss man die Luft nicht mehr von 20 auf 60 Grad erwärmen, sondern bekommt bereits vorgewärmte Luft zurück“, erklärt Steegmann. Erste Auswertungen zeigen Einsparpotenziale von rund 30 Prozent. Bemerkenswert: Die Produktion konnte während der Umrüstung bis auf wenige Stunden Unterbrechung weiterlaufen.

UV-Technologie nachrüsten

Retrofit bedeutet bei Venjakob jedoch nicht nur Energieeinsparung, sondern auch die Anpassung an neue Produktionsanforderungen.
So wurde bei einem Kunden eine bestehende Anlage um ein UV-Trocknungsmodul ergänzt, um künftig UV-Lacke einsetzen zu können. In einem anderen Projekt war UV-Technologie zwar bereits vorhanden, allerdings über einen Roboter, der beim Durchsatz an seine Grenzen kam. Die Folge: reduzierte Produktionsgeschwindigkeiten und Qualitätsprobleme.

Die Lösung bestand in einem standardisierten UV-Modul, das direkt in die bestehende Trocknung integriert wurde. „Dafür hatten wir etwa eine Woche Stillstand. Anschließend haben wir die Produktion gemeinsam mit dem Kunden begleitet, damit die Qualität hinterher stimmt“, berichtet Steegmann.

Weniger Overspray, weniger Verbrauch

Auch in der Spritztechnik steckt erhebliches Optimierungspotenzial. Mit dem System „Kante Plus“ entwickelte Venjakob eine Retrofit-Lösung für bessere Lackierergebnisse in der Holz- und Möbelindustrie.

Zusätzliche Pistolen, präzisere Sensorik und erweiterte Softwareparameter ermöglichen eine exakte Steuerung bis unmittelbar an die Werkstückkante. Dadurch reduziert sich das Overspray – also Lack, der bislang über die Kante hinausgesprüht wurde.

Das spart Material, senkt Reinigungsaufwand und verbessert die Prozessstabilität.

Kleine Eingriffe mit großer Wirkung

Nicht jedes Retrofit-Projekt ist so deutlich sichtbar. Oft entstehen Vorteile bereits durch gezielte Detailoptimierungen.

So ersetzt Venjakob bei älteren Hochtrocknern verschleißanfällige Reibräder durch lang-lebigere Klauenkupplungen, die erst kürzlich entwickelt wurden. Das verbessert die Prozessstabilität und reduziert Wartungsaufwand.

Ein weiteres Beispiel ist die Nachrüstung von Durchflussmessungen direkt an einzelnen Lackierpistolen. Verstopfungen oder Materialabweichungen werden frühzeitig erkannt, bevor Ausschuss entsteht oder Produktionschargen nachbearbeitet werden müssen.

Wo Retrofit an Grenzen stößt

Trotz aller Vorteile ist Retrofit nicht immer die beste Lösung. Grenzen entstehen vor allem dann, wenn sich Produktionskonzepte grundlegend ändern oder deutlich höhere Leistungen gefordert werden, die man mit viel älteren Lackierlinien nicht mehr realisieren kann.

„Wenn der Transport auf eine bestimmte Geschwindigkeit ausgelegt ist, lässt sich da nur bedingt etwas herausholen“, erklärt Steegmann. Besonders bei älteren Anlagen könne ein Retrofit schnell komplex werden.

Für Venjakob ist Retrofit deshalb kein Selbstzweck, sondern ein strategischer Mittelweg zwischen Weiterbetrieb und Neuinvestition – modernisieren, wo es sinnvoll ist, und neu denken, wo es notwendig wird.

Wir beraten Sie gerne

Wir entwickeln Lösungen, die Prozesse optimieren und Ergebnisse verbessern – zuverlässig, effizient und passgenau für Ihre Anlage. Wir beraten Sie gerne persönlich zu individuellen Lösungen rund um den Bereich Retrofit.

Sören Steegmann

Serviceleitung Vertrieb

Telefon: + 49 5242 9603-287
E-Mail: ed.bokajnev@nnamgeets.nereos

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