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05.07.2017

Handwerkskammer - Unternehmensbesuch

Die Präsidentin der Handwerkskammer OWL, Lena Strothmann, besucht zwei Handwerksbetriebe im Kreis Gütersloh. Neben lobenden Worten für die Unternehmen findet die CDU-Politikerin allerdings auch Grund zur Kritik

Gütersloh (sst). Die Info-Tour-Berufsbildung 2017 der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld führte gestern in den Kreis Gütersloh. Zwei renommierte Handwerksbetriebe öffneten einer Delegation mit Vertretern aus Schulen und Verwaltung ihre Pforten. „Eine Ausbildung öffnet viele Wege“, sagte Lena Strothmann, Präsidentin der Handwerkskammer.

Es sei ihr nicht entgangen, dass viele Jugendliche und besonders Abiturienten den Schritt ins Handwerk mieden. „Nach dem Gesellenabschluss besteht die Gelegenheit, sich weiter zu spezialisieren, einen Meisterbrief zu erwerben und sich selbstständig zu machen oder zu studieren“, betonte sie die vielfältigen Möglichkeiten im Handwerk.

Nach der ersten Station, dem Maschinenbauunternehmen Venjakob in Rheda-Wiedenbrück, machte die von Lena Strothmann geführte Tour bei Holzbau Vorderwisch in Gütersloh weiter. Dort erklärte Geschäftsführer Hans-Peter Vorderwisch detailliert die Geschichte sowie die Arbeit, Ausstattung und Einrichtung des Unternehmens. Der 1929 gegründete Handwerksbetrieb beschäftigt zur Zeit jeweils zwei kaufmännische Angestellte und Meister, einen Techniker sowie neun Gesellen und drei Auszubildende.

Zu den Aufgaben gehören neben der Sanierung von Fachwerkhäusern, Altbauten und Brücken auch der Hallen- und Holzrahmenbau. Ein prominentes Beispiel, bei dem die Firma mitgewirkt hat, ist der Ausbau des Erlebnisbades „Die Welle“. „Da die unterschiedlichen Teile nicht alle die gleiche Größe besitzen, ist auch mal komplette Handarbeit angesagt. Die Anlage braucht für das Schneiden nur zwei Tage, per Hand dauert es einen Monat“, erklärt Vorderwisch.

Neben der Halle, in der die Fräsmaschine steht, befindet sich auch eine schalldichte Kabine für die Meister. „Die brauchen ja ihre Ruhe, wenn sie am Computer millimetergenaue Arbeit leisten müssen“, ist sich Vorderwisch bewusst.

Zum Abschluss ihrer Betriebsbesichtigungen stellte die Handwerkskammerpräsidentin den besichtigten Betrieben ein gutes Zeugnis aus und bedankte sich für die interessanten Einblicke in den Arbeitsalltag der Unternehmen.

Dennoch verwies sie auch auf die Probleme der Branche. „Es gibt weiterhin die Tendenz, dass Jugendlich eher studieren gehen. So kommt es zu einem Mangel an Fachkräften und Azubis, was für kleinere Betriebe wirklich existenzgefährdend werden kann“, erklärte Strothmann und kritisierte auch die Schulen für ihre Haltung zum Handwerk: „Ich habe von einer Schule eine Absage zu unserer Tour bekommen, mit der Begründung, dass sie nur für akademische Berufe werben.“

 Artikel NeueWestfälische vom 06.07.2017